ROCKTIMES.DE – “The light of a new sun” Review - 

Written by : Steve Braun - Rocktimes.de

Erstmals lief mir J.C. Cinel mit dem 2007er Before My Eyes, einem durch und durch erfreulichen Album, über den Weg. Ich registrierte einen Italiener, der alle wichtigen US-Stilrichtungen inhaliert hatte: Jam-, Westcoast- und nicht zuletzt Southern Rock. "Before My Eyes" 'drehte' sich lange Zeit bevorzugt bei mir im Auto - perfekte Highway Music!
Über seine Freunde von W.I.N.D. kam Giuseppe, wie J.C. bürgerlich heißt, mit dem Südstaatler und Hammond-Wizard Johnny Neel in Kontakt und so zu einigen, erfolgreichen Gigs in den USA, wo er 'roots-mäßig' auch eindeutig hingehört. In Italien bemerkenswert erfolgreich, verirrte sich J.C. Cinel leider selten über die Alpenpässe. Diese sonnenverwöhnte Musik 'geht' sicherlich in Locations wie dem Real Music Club oder Ducsaal, aber wie viele von solchen herrlich abseits des Mainstreams ausgerichteten Clubs gibt es denn noch hierzulande? Man kann sie locker an zwei Händen abzählen - ein Trauerspiel...
Allerdings überraschte uns alle J.C. Cinel als Sänger und Gitarrist der Jimi Barbiani Band sowohl mit einem sensationellen Album wie live.

Apropos von der Sonne verwöhnt: Unser Zentralgestirn scheint für J.C. Cinel derzeit von größter Bedeutung zu sein. Immerhin drei Songs dieser dritten, unter seinem Namen erschienenen Scheibe sind dem gewidmet, was wir in diesem 'Sommer' wohl am meisten vermisst haben. Lassen wir also dieses Sonnenkonzentrat in Form von "The Light Of A New Sun" aus unseren Boxen strömen...

In den Credits würdigt J.C. Cinel seinen langjährigen Wegbegleiter Davide Dabusti, der mit ihm »Licht und Schatten teilt« und auch dieses Mal auf allen Songs seine überaus hervorragenden Qualitäten zeigt. Des weiteren taucht ein wohlbekannter Name auf: der bereits angesprochene Johnny Neel, deutliche Spuren auf "The Light Of A New Sun" hinterlassend.

Nicht nur wegen der Double-Leads denkt man beim eröffnenden "Think Of Myself" sofort an Southern Rock. Die von J.C. exzellent geblasene 'Hoochie' rundet den Song gekonnt ab. Auch die "Wheels Of Time" rollen dahin wie ein fetter Pick-up auf einem endlosen Highway und dieser wird mit dem folgenden "Living On A Highway" auch thematisch aufgenommen. Das ist uramerikanische Mucke - man merkt höchstens an einem winzig kleinen Akzent, dass hier ein Italiener am Werk ist. Doch das war offensichtlich nur die Aufwärmphase, denn nun geht es richtig ab...
Der Titelsong erinnert mehr als einmal an feinste Momente ("Beautifully Broken") von Government Mule - Andrea Barbieri und Johnny Neel tun ein Übriges dazu. Gut sechseinhalb Minuten geben dem Song genug Raum, sich jammig zu entfalten. Neel drückt mit Piano und Hammond auch dem folgenden "Sweet And Wild", einem sauber groovenden Southern Boogie, seinen Stempel auf. James Taylor und die Eagles drängen sich auf, wenn "Islands" den Hörer zu einem erfrischenden Cocktail an einen fernen Sandstrand entführt. Entspannt cooles Westcoast-Feeling wird hier nicht nur glasweise verströmt...

"Nashville Nights" treibt mit enormen Pferdestärken 'unter der Haube' voran, als Kontrast steht diesen ein sehr relaxter Mittelteil entgegen. Verwunderlich ist nur, dass Johnny Neel als Bewohner der Country-Capitole nicht mitrockt. "California Sunset" - kalifornischer kann ein Italiener kaum klingen. John Cipollina hätte es in seinen verschiedensten Formationen wohl kaum besser hinbekommen.
Mit "White Soldier" folgt mein absoluter Liebling von "The Light Of A New Sun". Das ist Jam Rock auf allerhöchstem Niveau, der allerdings mit knapp sechs Minuten durchaus noch ausbaubar gewesen wäre. Auf so einem funky Mörder-Riff kann man alleine zehn Minuten 'abjammen' - problemlos! "Fallen Angel" 'haut' ins gleiche Genre - hervorragend, aber ohne diesen süchtig machenden Faktor von "White Soldier". Cinel und sein Spezi Dabusti duellieren sich beim abschließenden "A Place In The Sun" mit ihren akustischen Gitarren und schlagen sich das »again and again« im Refrain wie einen Tennisball um die Ohren. Diese akustische Ballade ist mit ihren zweistimmigen, harmonischen Gesängen Balsam für die Seele - einfach nur schön...

Mit der TIPP-Grafik gehe ich stets äußerst sparsam um - die bleibt wirklich außergewöhnlichen, exzellenten Scheiben vorbehalten. Ich wüsste nicht, was J.C. Cinel an "The Light Of A New Sun" hätte besser machen können. Gegenüber dem gewiss nicht schlechten Vorgänger hat er noch einmal ein Schippe drauflegen können, klingt dabei abgeklärt und hoch inspiriert. Grazie, Signore!!

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